Tejedora

Transkription auf Deutsch

English transcription

Audio completo en la voz de María Eugenia Ibarra, Navidad

Maletín de madera con impresión Giclée (original en acuarela) y voz de María Eugenia Ibarra, Navidad. Tamaño 61 x 47 x 10 cms.

WEBERIN

Ich habe Textil- und Kostümdesign an einer der wenigen Universitäten studiert, die das in den neunziger Jahren angeboten haben. Was ich besonders fand, war, dass alle Lehrer aus der Tradition der alten Textilschule in Valparaíso, der in Playa Ancha, kamen. Dort konnten sie einen Schritt weiter gehen als in der technischen Ausbildung, es war wie ein Plus. Ich hatte auch einen Großonkel der Schneider war und mit Leder arbeitete, und meine Großmütter waren Modeschneiderinnen, so haben wir schon als Kinder gesehen, wie sie uns die Kleider gemacht haben.

Ich wusste schon immer, dass ich mit Textilien arbeiten will. Ich habe mich schon immer am Designen und Drucken von Stoffen gesehen. Stell dir vor, dass in den 60er Jahren fast alle Kleidungsstücke von der nationalen Textilindustrie geliefert wurden: zum Beispiel gab es Oveja Tomé, Yarur, Sumar, La Unión Leinen und mehrere kleinere Fabriken, aber mit den Importen und der Rezession von 1982 blieb keine dieser Fabriken bestehen. Und dann kam die Asienkrise, erinnerst du dich? Kurz vor 2000, und die gesamte chilenische Industrie ging unter. Also musste ich anfangen, in der urbanen Bekleidungsindustrie zu arbeiten, mit Marken, die mehr mit dem Einzelhandel verbunden sind, wo man sich im Allgemeinen für das Bewährte entscheidet, und alles ist einfacher. Es war frustrierend, denn mein erster Job beschränkte sich darauf, Trends von außen zu sehen und sie zu kopieren.

Es war dennoch eine sehr gute Schule, um zu lernen, wie die Branche funktioniert und um den gesamten Prozess in der Praxis zu verstehen. Zum Beispiel von der Auswahl der Farbpalette und der Vorstellung eines Stücks, bis die Muster hergestellt, die Oberflächen poliert und die Beschläge angepasst sind. Auch das Glätten des Stoffes oder das Ausbleichen gehören dazu. Und auch die andere Seite der Medaille kennenzulernen, nämlich die Beziehung zu den Nähwerkstätten, die immer sehr angespannt ist, weil von oben alles für vorgestern verlangt wird, und man ständig gegen die Zeit rennt. Aber jemand, der dort war und weiß, wie lange es dauert, ein Stück gut zu machen, ist nicht bereit, die Leute unter Druck zu setzen. Das will ich nicht reproduzieren.

Durch die Arbeit an redaktionellen Modeproduktionen konnte ich anfangen, einige Stücke zu entwerfen. Fast alles Kleidung, aber immer mit einer starken textilen Prägung und in Verbindung mit der Handwerkskunst. Von Anfang an habe ich versucht, die Textur in den Vordergrund zu stellen, das Material und die ganze Handarbeit, die in dem Kleidungsstück steckt, hervorzuheben. Selbst wenn der Stoff schlicht und einfach war, habe ich immer ein Detail hinzugefügt, eine Spur hinterlassen, eine Verzierung angebracht oder zum Beispiel einen alten Knopf angenäht, den ich auf dem Markt oder aus zweiter Hand gefunden habe. Ich wollte nicht, dass es industriell aussieht! Das ist das Wichtigste. Die Sache ist die: Ich bin besessen davon, Allem meinen eigenen Stempel aufzudrücken um der Arbeit, die von Hand gemacht wurde, Würde zu verleihen. Sogar die Heftnaht mache ich von Hand. Und ich interessiere mich sehr für das Nützliche, aber ich möchte etwas schaffen, das nicht zum Wegwerfen ist, das vererbbar ist, das ein Leben hat und das mit dem Gebrauch noch lebendiger wird.

Im Jahr 2005 traf ich eine Weberfamilie in La Ligua. Sie hatten als Mädchen angefangen, mit Fahrradspeichen zu weben, stell dir das vor, und sie weigerten sich, importierte Dinge zu verkaufen.

Da haben wir uns gleich verstanden. Ich begann, ihnen Sachen zum Weben zu schicken, um mit ihnen mehr über das Weben zu lernen, um nach lokalen Elementen zu suchen, aus der Gegend, die in die Designs eingearbeitet werden konnten. Und nach ein paar Monaten schlief ich schon dort. Wir wurden sehr enge Freundinnen, und die Wahrheit ist, dass der kreative Prozess am Ende etwas sehr Gemeinsames war. Sehr tiefgründig.

Und ich bin viel gereist, um zu forschen und zu lernen. Ich habe zum Beispiel Wolle aus Angelmó mitgebracht, ich arbeite mit den Stickerinnen von Lihueimo in der sechsten Region zusammen und ich habe sogar mit einer Gemeinschaft von Frauen in Chinchero im Heiligen Tal der Inkas in Peru zusammengearbeitet. Vor ein paar Jahren bin ich auch nach Temuco gereist und habe dort Kontakt zu Kunsthandwerkerinnen vom Budi-See und aus Nueva Imperial aufgenommen. Dort begann ich, an dieser Skapulier Struktur zu arbeiten, die man in den Pullovern sehen kann, die ich jetzt herstelle. Ich lernte, Pflanzen zum Färben zu sammeln und mehr über die Ursprünge des Rundwebens zu erfahren. Und diese Struktur, die ich sehr mit dem Kultrún verbinde, diese Idee des zyklischen Gleichgewichts, der Bewegung zwischen den Jahreszeiten, den Himmelsrichtungen, den vier Elementen. Mein Logo ist vom Mapuche-Symbol des Herzens, Piuke, inspiriert, das so aussieht, als ob es die Seele des Kleides wäre, die uns borgt und behütet.

Ich webe diese Stücke immer selbst. Der Moment der Herstellung ist sehr wichtig, denn in den Fehlern entstehen auch Dinge, und im Rückgängigmachen werden neue Ideen geboren. Man kann ausprobieren, was passiert, wenn man die Stäbchen austauscht, zum Beispiel die dicken gegen die dünnen, wenn man verschiedene Spannungen auf die Fäden anwendet, mit den Stürzen spielt, verschiedene Texturen mischt, pflanzliche und tierische Materialien, sogar Mineralien. Verschiedene Glanzgrade und Opazitäten verwenden, um aus der Ebene hserauszukommen.

Die Fischer von La Boca, in deren Nähe ich wohne, haben mir beigebracht, wie man die Netze mit Netznadeln repariert. Später lernte ich die Technik, die Pilwa zu weben, diese typische geknüpfte Tasche aus Chupón, die die Handwerkerinnen auf den Märkten im Süden verkaufen. Wie diese hier. Siehst du? Ich verarbeite alles und lasse es in die Skapulierwebereien einfließen.

Es tut mir gut zu weben. Die Praxis des Rundwebens mit zwei Nadeln ist für mich viel bequemer als zum Beispiel der Webstuhl, weil er tragbarer ist und ich diese Flexibilität in meinem Leben brauche, weil ich ständig in Bewegung bin. Außerdem geht das Weben in einem Kontinuum weiter, wie in einer ewigen Spirale, die sich dem Volumen, das unseren Körper umhüllt und bedeckt, umrankt. Es ist sehr therapeutisch, denn es holt mich aus meinen Gedanken heraus, es hilft mir, in einen Raum der Stille einzutreten und eine besondere Geschwindigkeit, die es einem erlaubt, nach innen zu schauen und zu sprechen. Und dann befreit man sich selbst, als ob die Hände das, was im Inneren ist, mit dem verbinden können, was außen mit materiell ausgedrückt wird. Es ist schließlich eine Sprache.

THE WEAVER

I studied Textile and Costume Design in one of the few universities that had it as a career in the 90´s. Part of its value was that all the professors came from the tradition of the old textile school of Valparaíso and they were going a step beyond the technical training. I had an uncle grandfather who was a tailor and my grandmother and an aunt were dressmakers, so I saw dressmaking since I was a child.

I knew that I wanted to work in the textile area, I saw myself designing and stamping cloth. Remember that in the 60´s most of the made up articles were supplied by the national textile industry: Oveja Tomé, Yarur, Sumar, Linos La Unión and several little industries. But with the imports and the 82´s recession none of them could remain open. And then came the Asian Crisis. Do you remember? Just before 2000 and the Chilean industry broke down. Then I had to start working with urban fashion for retail brands where, in general, you choose what is tried on, the most basic trends. It was frustrating because my first job was reduced to see and copy outside trends.

Nevertheless, it was a very good school to learn how the industry worked and to understand the whole process practically: since the color palette is chosen and the piece of clothing is imagined, until the samples are done, the finished pieces are polished, the shims are adjusted, the fabric is softened or colors are run. This allows you to know the other side of the job, that is to say, to relate to sewing workshops. This is always tense because work is always ordered for two days before and you end always running against time. But when one has been there and knows how much time is taken to make a piece, one is not disposed to press people that way. I don’t want to reproduce that.

Making publishing fashion production I could start creating some pieces, everything was clothing but I always stamped a textile mark to bound it to craftsmanship. From the beginning I tried to give protagonism to texture, to make the material and the manual charge of the garment evident, even though the cloth was plain or simple. I always put a detail on it; I left a trace, I did a barreled or I sewed an ancient button that I found in a street market. I didn’t want it to look industrial! I’m obsessed to give it a seal of my own and to give back dignity to the product. I even do basting stitch handmade. I’m very interested in what is utilitarian but I want to create something which isn’t disposable. To make inheritable pieces, that are lively and that are charged with more life within usage.

By 2005 I met a family of La Ligua weavers. They started when they were children knitting with bicycle spokes, imagine, and they didn’t want to sell imported things. We understood each other immediately. I started ordering things, learning more about knitting, searching for local elements to be incorporated into the designs. And after a few months I started sleeping there. We became friends and the creation process was, at the end, fully shared.

I travelled a lot exploring and learning. I brought wool from Angelmó; I collaborated with embroiderers of Lihueimo and I worked with a women community in Chinchero, in the Holy Valley of the Incas in Perú. Some years ago I went to Temuco and I contacted the craftswomen of Budi Lake and Nueva Imperial. I started working with that scapular structure you see in the cardigans I knit today. I learnt to collect plants to dye and find out more about circular knitting, a structure that I relate to the kultrún. The idea of the cyclic balance, the season’s movement, the 4 elements and the 4 cardinal points which are in fact my logo, inspired by the Mapuche heart, a symbol that is there as if it was the soul of the dress that covers and protects us.

I always knit these pieces. The moment of making is very important because some pieces have errors and sometimes in undoing, new ideas are born. You can try to see what happens when you change thick knitting needles by thin ones; if you put different tensions on the wool, if you play with the hangs or mix different textures, blend vegetal and animal materials or put different glitters and opacities to avoid a plain sensation.

The fishers of La Boca, near home, taught me to repair nets with the net needle. And then I learnt the technique to knit the Pilwa, which is the typical knotted fiber handbag that craftswomen sell in southern markets. And here it is present — can you see it? I have transformed it and incorporated it into the scapular knitting pieces.

And knitting makes me feel well! I find much more comfort in the circular knitting technique with 2 needles than with the loom, for example, because it is portable and I need this flexibility as I’m travelling all the time. Besides, knitting goes on continuously as an eternal spiral which wraps and covers the body. It is like a therapy because I leave my thoughts out of it; it helps me a lot because I can go into a silent space and dive in a special speed that allows me to see and talk to myself. And then it frees you, as if the hands could take what is inside and connect it with what materializes outside. It is a language.