Carpintero
TISCHLER
Du hast gesagt, dass ich so etwas wie ein Bastler bin, und es stimmt, dass ich gerne mit verschiedenen Technologien experimentiere, mit anderen Materialien als Holz, sogar mit Elektronik oder dem Reparieren alter Gegenstände, die ich auf Flohmärkten finde, wie diese Mundharmonika, die ich gefunden habe. Und dafür zum Beispiel muss ich etwas von Musik verstehen, um den Ton herauszubekommen. Ich liebe es zu verstehen, wie Dinge funktionieren. Wenn ich etwas sehe, das mir gefällt, versuche ich, es nachzumachen. Schon als Kind habe ich alles auseinandergenommen und dann versucht, es wieder zusammenzusetzen, ich habe Telefone und Uhren auseinandergenommen und konnte viel Zeit damit verbringen in die Details einzutauchen um zu verstehen, wie es funktioniert.
In meinem Haus wurde immer etwas gemacht. Meine Mutter hat zum Beispiel mit Öl gemalt, aber sie arbeitete auch mit Ton, Wollvlies und Holz. Es lagen also überall Materialien herum und diese Art von Aktivität war selbstverständlich. Mein Vater hingegen hat Antiquitäten restauriert. Er hat also immer Intarsie Arbeiten gemacht. Weißt du, was das ist? Es ist wie eine Art Schmuckarbeit mit kleinen Holzstücken, verschiedenen Holztönen oder verschiedenen Hölzern, die zusammengefügt werden, um zum Beispiel Blumenarrangements oder geometrische Figuren zu bilden. Ich weiß nicht, verschiedene Dinge. Ja, tatsächlich komme ich aus einer sehr ruhelosen Familie in dieser Hinsicht. Man sagt sogar, dass mein Ururgroßvater Ende des 19. Jahrhunderts aus Spanien kam, um Kirchen zu malen, stell dir das vor. Es ist also mehr als nur das Interesse. Ich glaube, meine Annäherung kommt daher, dass ich Werkzeuge schon immer als etwas Natürliches aufgenommen habe und instinktiv schon wusste, wie man sie benutzt.
Soll ich dir etwas zeigen? Ich habe diese Zahnräder, die ich zum Spaß gemacht habe. Es sind zwei, das erste ist größer als das zweite. Das erste dreht sich nach rechts, und das zweite dreht sich in die andere Richtung, nach links. Wenn das erste Zahnrad eine halbe Drehung macht, macht das zweite eine ganze Drehung. Hier können wir also Beziehungen herstellen zwischen Geschwindigkeit, Kraft und Bewegung im Allgemeinen, die verschiedene Anwendungen haben. Ich beobachte diese Art von Dingen gerne, und ich kann sogar noch weiter gehen und sie auf menschliche Beziehungen übertragen. Das hört sich zwar wie Humbug an, aber wenn wir es uns genauer anschauen, ich weiß nicht, es gibt ein Sprichwort, das lautet „Wer viel Fläche deckt, klemmt wenig ein“… und wenn ich es auf diesen Bereich der Materialien und Werkzeuge übertrage, ist es auch wahr. Wenn ich zum Beispiel eine Zange nehme, die klein ist – sie hat einen kleineren Klemmbereich – und ich klemme damit ein Stück Holz ein, muss ich weniger Kraft aufwenden, um eine Vertiefung in das Holz zu drücken. Andererseits, wenn die Klemmzone breiter ist, muss ich mehr Kraft aufwenden, weil mehr Fläche in das Holz eingedrückt werden muss.
Ich mag Objekte, ich bin in dieser Hinsicht ein bisschen ein Fetischist, und in der Tat ist es eine Herausforderung für mich, nicht dem Diogenes-Syndrom zu verfallen. Denn auf der anderen Seite gibt es etwas in mir, das nach Simplizität im Umgang mit dem materiellen, nach weniger Material sucht. In gewisser Weise stecke ich in diesem Dilemma. Wie ich schon sagte, geht es mir nicht darum, Dinge zu haben, sondern sie zu verstehen. Die Arbeit oder die Energie zu erkennen, die in jedem dieser Objekte steckt, um sie dann idealerweise wiederzugewinnen. Ich möchte interpretieren, wie es gemacht wurde und den gesamten Prozess, von der Beschaffung des Materials, der Herkunft des Materials, der Herstellung, der Werkzeuge die zur Herstellung verwendet wurden, und unzählbar viele Dinge, die dahinter stecken, die oft nicht so offensichtlich sind.
Seit der Geburt meiner Tochter habe ich mit der Herstellung von Kinderbetten und Kindermöbeln begonnen. Und dafür schätze ich die Vielseitigkeit von Holz, denn es kann für viele Dinge verwendet werden, und heutzutage verstehe ich ziemlich gut, wie es sich verhält. Es gibt wichtige Dinge, die Leute, die sich nicht damit beschäftigen, nicht berücksichtigen, wie zum Beispiel die Richtung der Maserung. Kiefer zum Beispiel neigt dazu, zu splittern, weil es eine längere Faser hat und sich leichter spaltet, also ist es nicht so gut zum Schnitzen geeignet. Aber es ist leicht und weniger dicht, daher ist es sehr nützlich und wird häufig für Trennwände und im Bauwesen verwendet. Harthölzer, wie Eiche, Coigüe (Südbuche), Raulí (Scheinbuche) und viele andere brauchen viel länger, um zu wachsen. Aber sie sind wunderschön und behalten ihre Eigenschaften mit der Zeit.
Wenn es etwas gibt, das mich freut, dann ist es, dass das, was ich tue, nützlich ist und die Menschen es zu schätzen wissen. Das ermutigt mich. Ich genieße auch den Prozess selbst. Zum Beispiel, wenn ich das Holz schneide, ich mag den Geruch, besonders von den Baumknoten, denn dort ist das Harz konzentriert. Manchmal verströmt es einen sehr angenehmen Duft. Ich mag auch wenn die Teile genau passen oder das Geräusch des Holzes, wenn man eine Kiste öffnet und schließt. Es sind all diese Details, die den Prozess und die Ergebnisse angenehmer machen. Ich arbeite auch sehr gerne mit Geometrie, weil sie mir hilft, die Struktur eines Möbelstücks zu sehen und zu verstehen. Und um eine harmonische Proportion zu erreichen. Ich denke, dass diese ästhetische Funktion wichtig ist, denn was nicht harmonisch ist, ist generell ein Zeichen für schlechte Entscheidungen. Man versucht, alle praktischen Probleme zu lösen, aber es ist auch wichtig, sie ästhetisch zu lösen. Denn meiner Meinung nach ist es wichtig, das, was nicht notwendig ist, vom Notwendigen zu trennen. Was unnötig ist, ist lästig, es ist eine Energieverschwendung, die keinen Sinn macht.
THE CARPENTER
Yes, I´m a furniture creator and a carpenter now. I graduated as an industrial designer but I would say that I´m an inventor. On one hand I have clear that I should modulate the pieces to produce them- I think that way automatically by my training- but when I make them, many times, they stay only as a unique object…because when I finish them, I start thinking of another thing immediately. You said that I´m a thing maker and it´s true that I like to experiment with different technologies, with materials other than wood: getting into electronics or repairing old objects that I have found in market places, for example, as this harmonica. And for that purpose I should know something about music and how to manage to get a sound. I love understanding how things work. At home things were constantly crafted. My mother is a painter but she also worked with clay, fleece and wood…so I was surrounded by materials in and that kind of activities were natural. My father restored old things, did marquetry, do you know it? It´s like a jewelry work with pieces of different kinds of wood and colors, that you put together to create flowers or geometric forms. A lot of different things, really. The truth is that I belong to a crafting family. It´s said that my great- grandfather came from Spain to paint churches at the end of 1800, imagine! So, more than a personal interest, I think my craft approach was born from that fact. Because I had the tools already there and I knew how to use them as something natural and instinctive.
Look, I have these gears that I built applying just physics laws. This piece turns right, the middle one turns left but the first one doubles its diameter and the last one, which is the tiniest one, turns two times the others. So then you can see speed, strength and movement relations that have different applications. I like observing this kind of phenomena and even to compare it with human relationships. There is a saying: “The one who grasps at much has little to hold”. And in the materials and tools world it´s also true. If I want to tighten up something with a pincer and its end is very fine it will tight a very punctual zone but with much force. If the contact surface is wider, instead, the same force divides and distributes itself at different points. I like the objects, I´m a little bit fetishist and it’s a challenge for me not to fall in the Diogenes Syndrome. Because, on the other hand, there is something in me that seeks simplicity, to have less material possessions. But there I am, caught in this dilemma somehow. As I told you, my problem isn´t to own things but to understand them. Recognizing the work behind it and the energy applied on one object so then I can recuperate it. I interpret how it was built and I make the way back of its process, from the material source, its origin, the making process, the tools used to make it, and a myriad of other things that go on behind the scenes and are often not so obvious.
Since my daughter was borned I started to make cradles and to build wood furniture. I appreciate a lot the versatility of wood because you can do a lot of different things with it. And at this point I understand well how it behaves. There are important things that somebody who doesn´t know, doesn´t mind, as the direction of the fiber. For instance, pine tends to shatter because the fiber is longer and it tears appart easily, so it isn´t good to carve. Noble woods, as oak, coihue or raulí take a long time to grow up but they are beautiful and maintain their properties through time. What makes me feel peaceful is that what I do is useful and produces satisfaction in people who make me undertake the job. This comforts me, the process, too. I like the smell that emanates from the wood knots when I cut it. It is very intense because the resin concentrates there. Sometimes you can get to feel an exquisite smell. I like the pieces when the pieces fit together precisely, or the wood sound when I open or shut a box. All these details make the process more enjoyable and also to see the results of what I am doing. I also like to work with geometry, it is useful to pre-visualize and understand the structure of the furniture I will build. And achieving a harmonic proportion is important because of the aesthetic function. What isn´t harmonic shows wrong decisions were made. I try to achieve that the practical problems are completely solved but approaching this solutions from the aesthetic aspect is also important. I think it´s extremely relevant to separate what is necessary from what is not. The unnecesary bothers and unconsciously makes visual noise. It´s an energy consumption that doesn´t make sense.

